Es ist Zeit für einen ehrlichen Meta-Moment: Dieser Blog über KI wurde zum großen Teil mit KI gebaut. Konkret mit Claude Code — Anthropics KI-Coding-Assistenten, der direkt im Terminal läuft. Klingt wie Selbstbeweihräucherung. Ist es aber nicht, versprochen.
Was ist Claude Code überhaupt?
Claude Code ist kein Chat-Interface, sondern ein KI-Assistent, der direkt im Terminal arbeitet. Er liest Dateien, schreibt Code, führt Befehle aus — und zwar auf dem echten System, nicht in einer Sandbox. Das macht ihn mächtig. Und ja, das erfordert ein bisschen Vertrauen.
Man gibt ihm eine Aufgabe, er arbeitet sie selbstständig ab, fragt bei Unklarheiten nach und schlägt Änderungen vor, bevor er sie umsetzt. In der Praxis fühlt es sich an wie ein sehr schneller, immer verfügbarer Entwickler — der manchmal eigenartige Entscheidungen trifft.
Was KI hier gemacht hat
Das technische Setup: Ein eigener PHP-Static-Site-Builder — kein fertiges Framework, sondern maßgeschneidert. Ordnerstruktur, Mehrsprachigkeit, Sitemap, RSS, Template-System — Claude Code hat das alles aufgebaut, während ich Kaffee getrunken habe.
Die Pipeline: GitLab CI mit automatischem Deployment, Bildgenerierung via Stable Diffusion, LLM-Code-Review — Claude Code hat das skizziert, ich habe drübergeschaut und abgenickt (oder korrigiert).
Artikel-Entwürfe: Ja, auch die Artikel entstehen mit KI-Unterstützung. Ich gebe Thema, Ton, Kernaussagen vor — Claude schreibt einen Entwurf. Dann lese ich, ändere, kürze, ergänze. Was ihr lest, ist nicht 1:1 KI-Output, aber auch nicht komplett von Hand geschrieben.
Was der Mensch gemacht hat
Und das ist der wichtige Teil:
Entscheidungen: Was wird dieser Blog? Welche Themen? Welcher Ton? Wer ist die Zielgruppe? Das sind keine technischen Fragen, das sind inhaltliche Entscheidungen. Die treffe ich.
Kontrolle und Freigabe: Claude Code tut nichts, was ich nicht absegne. Jeder Artikel, jede Konfiguration, jede Änderung — ich lese drüber, bevor sie live geht. Manchmal ändere ich viel. Manchmal wenig.
Die Perspektive: Dass ich OpenRouter im bezahlten Tier nutze, weil mir Datenschutz wichtig ist. Dass ich Ollama selbst betreibe. Dass ich ChatGPT täglich nutze, aber nicht blind vertraue. Das kommt von mir, nicht von einer KI, die mich nicht kennt.
Was schiefgelaufen ist
Die ungeschönte Wahrheit: Über 60 Merge Requests und mehr als 500 Pipeline-Durchläufe hat es gebraucht, bis der erste Beitrag vollautomatisch und fehlerfrei online ging.
Das klingt nach Chaos. Es war... iterativ.
Fehlende Pakete im Docker-Container. Unterschiedliche ImageMagick-Versionen zwischen lokalem Build und CI. Falsch konfigurierte Volume-Mounts beim GitLab-Runner — Pfade die auf dem Host gelten, nicht im Container. Shell-Runner der plötzlich als Docker-Runner läuft. SSH-Keys die in der richtigen Sektion der Config stehen müssen, nicht nur in der richtigen Datei.
Claude Code hat jeden dieser Fehler analysiert, Lösungen vorgeschlagen — die oft stimmten. Und manchmal das nächste Problem aufdeckten.
Daneben: ein Artikel-Entwurf der viel zu formell klang, eine Konfiguration die beim ersten Versuch nicht baute. Kleinkram im Vergleich zur Pipeline-Odyssee. Aber ehrlich ist ehrlich.
Was ich daraus mitnehme
KI als Coding-Assistent ist kein Hype. Es ist echte Produktivitätssteigerung — besonders für Einzelpersonen, die kein Entwickler-Team hinter sich haben. Ich hätte diesen Blog auch alleine gebaut, aber es hätte länger gedauert und wäre an manchen Stellen schlechter geworden.
500 Pipelines klingen nach viel. Es sind aber auch 500 Mal sofortiges Feedback statt wochenlangem Blindflug. Das ist der eigentliche Vorteil: nicht weniger Fehler, sondern schnelleres Lernen aus ihnen.
KI ersetzt nicht den Kopf dahinter. Sie beschleunigt die Ausführung. Der Unterschied klingt klein, ist es aber nicht.
Ein Blog über KI, der ehrlich über KI spricht — gebaut mit KI, über 60 Merge Requests und mehr als 500 Pipelines. Das fühlt sich irgendwie passend an.
Und falls du dich fragst, ob du KI-Tools mal für eigene Projekte ausprobieren sollst: Tu's. Der Einstieg ist einfacher als er aussieht — und du lernst am meisten, wenn du einfach anfängst.
