Normalerweise läuft das so: Du fragst, die KI antwortet. Du bist der Chef, sie wartet auf Anweisungen.
Claude Duet dreht das um. Der Agent sitzt im Hintergrund, schaut in deine verbundenen Apps und klopft an, wenn etwas wichtig wird.
Was Duet ist
Laut Engadget (Quelle, englisch) hat Anthropic Duet als persönlichen "proaktiven" Agenten vorgestellt. Ein Agent ist eine KI, die nicht nur Text liefert, sondern Aufgaben selbstständig abarbeitet: Termine suchen, Mails sortieren, Tabellen bauen.
Die Berichte nennen zwei Hauptfunktionen:
- Tägliche Übersicht: Duet fasst zusammen, was in deinen verbundenen Apps wichtig ist.
- Gezielte Meldungen: Eine Nachricht kommt nur, wenn etwas Aufmerksamkeit braucht.
Dazu kannst du ihm Aufgaben geben. Etwa ein Meeting planen, ein Dashboard bauen oder eine Prognose entwerfen. Er läuft laut Berichten in einer eigenen Cloud-Umgebung und schaut alle paar Stunden in deine Konten. Nicht live, nicht in Echtzeit.
Was er nicht allein darf
Hier wird es für Einsteiger interessant. Ein Agent, der selbst handelt, kann auch selbst Mist bauen. Deshalb gibt es Leitplanken. Nach den Berichten braucht Duet deine Freigabe, bevor er Nachrichten verschickt, bezahlt, Dokumente unterschreibt oder etwas löscht.
Wertpapierhandel und Geldüberweisungen zwischen Konten sind ganz verboten.
Anthropic räumt außerdem ein, dass die frühe Version Dringlichkeit falsch einschätzen oder zwischen zwei Prüfrunden etwas verpassen kann. Heißt: Vertrau ihm wie einem Praktikanten am ersten Tag. Engagiert, nützlich, manchmal daneben.
Was kostet das, was geht kostenlos?
Kostenlos geht hier nichts. Duet ist aktuell eine Forschungsvorschau (Research Preview, also ein früher Test) mit Warteliste. Zugang haben laut Berichten zunächst Abonnenten von Claude Pro und Max in den USA. Es gibt Apps für Android und iPhone sowie die Weboberfläche.
Für Leser in Deutschland heißt das zum jetzigen Stand: erst mal zuschauen.
Ist das was für dich?
Eher ja, wenn du
- viele Dienste nutzt (Mail, Kalender, Chat) und im Nachrichtenstrom untergehst,
- ohnehin ein bezahltes Claude-Abo hast,
- bereit bist, jede heikle Aktion selbst abzunicken.
Eher nein, wenn du
- gerade erst in KI hineinschnupperst. Dafür reicht ein normaler Chat völlig.
- einem Programm ungern Zugriff auf Mail und Kalender gibst.
Beim Datenschutz lohnt sich Nüchternheit. Duet braucht Zugriff auf deine Apps, sonst kann er nichts melden. Das ist der Preis jedes Assistenten dieser Art, nicht nur dieses einen. Wer vorsichtig starten will, verbindet zunächst nur eine App und prüft, was passiert. Mehr dazu im Vergleich der Datenkraken.
Was du jetzt ausprobieren kannst
Auch ohne Warteliste kannst du das Prinzip testen. Bitte deinen Chatbot jeden Morgen: "Hier sind meine Termine und offenen Punkte. Was davon ist heute dringend, und warum?" Du siehst schnell, ob dir so eine Übersicht überhaupt hilft.
Die Verbindung zu Apps läuft bei vielen Agenten über MCP, einen offenen Standard für KI-Anschlüsse.
Unbezahlte Einschätzung, eigene Meinung: Das Konzept ist spannend, der Beweis steht aus. Ein Agent, der selten nervt und zuverlässig wichtige Dinge meldet, wäre ein echter Gewinn. Ein Agent, der ständig falschen Alarm schlägt, ist nur eine weitere Benachrichtigung.
Probier es aus, wenn du Zugang bekommst. Und lass ihn anfangs nichts ohne dich senden.
