Neues Icon im Account-Menü, große Überschrift: „Privacy Center". Klingt nach einem großen Wurf beim Datenschutz. Ist es nicht – zumindest nicht in dem Sinn, den der Name verspricht.
OpenAI hat vor wenigen Tagen ein neues Privacy Center für ChatGPT ausgerollt. Es bündelt alle Datenschutz-relevanten Infos an einem Ort: Erinnerungen (Memory), temporäre Chats, personalisierte Werbung, Modelltraining, verbundene Apps, Account-Export und -Löschung. Klingt sinnvoll. Ist es auch. Nur: Neue Einstellungsmöglichkeiten gibt es dabei keine. Kein einziger Schalter ist neu dazugekommen. Das Privacy Center erklärt nur, was es an Schaltern längst gibt, und verlinkt dorthin.
Was drinsteckt
Drei Kategorien, jede mit Link zur eigentlichen Einstellung:
- Personalisierte Chats & Werbung – wie Memory funktioniert, und der ehrlich nützliche Hinweis, dass das Löschen eines Chats gespeicherte Erinnerungen NICHT automatisch mitlöscht. Wer sich fragt, warum ChatGPT sich trotz gelöschtem Verlauf noch an etwas „erinnert" – hier steht, warum.
- Chat-Datenschutz – temporäre Chats, die nicht im Verlauf landen und nicht fürs Training genutzt werden.
- Datennutzung & Zugriff – der Schalter „Verbessere das Modell für alle" (darf dein Chatverlauf zum Training verwendet werden?), verbundene Apps und Plugins, Datenexport und -löschung.
Erreichbar im Web über das Account-Menü → Help → Privacy Center, oder direkt über die entsprechende Adresse auf chatgpt.com. In der App steckt es unter den Einstellungen. Wichtig für alle ohne Abo: Das Privacy Center gibt es für Free, Go, Plus, Pro und Business gleichermaßen – kostet nichts extra und ist an kein Abo gebunden. Nur ChatGPT Enterprise, Edu und die Healthcare-Variante bleiben außen vor, dort regeln ohnehin Admins die Einstellungen zentral.
Der Haken
„Privacy Center" klingt nach Kommandobrücke. Tatsächlich ist es eher ein Inhaltsverzeichnis. OpenAI schreibt selbst dazu: Die eigentlichen Einstellungen bleiben genau da, wo sie vorher waren – in den normalen ChatGPT-Settings. Wer schon wusste, wo der Trainings-Schalter versteckt ist, bekommt hier nichts Neues. Wer es nicht wusste, findet es jetzt wenigstens an einem Ort erklärt, statt über drei verschachtelte Untermenüs zu suchen.
Das ist kein Skandal. Nur eine Frage der Erwartung, die der Name weckt – und die das Feature nicht einlöst.
Ordentlich eingeordnet
Google und Meta haben solche Datenschutz-Übersichten seit Jahren. Dass OpenAI jetzt nachzieht, ist überfällig, aber kein Grund zur Aufregung in die eine oder andere Richtung. Ein Dashboard macht ein Unternehmen nicht automatisch datenschutzfreundlicher – es macht nur sichtbar, was ohnehin schon da war. Wie viel oder wenig Big Tech insgesamt über dich weiß, ordnet unser Realitätscheck zu Datenschutz bei den großen KI-Anbietern besser ein.
Was du konkret tun kannst
Zwei Minuten investieren, lohnt sich:
- Privacy Center öffnen (Web: Account-Menü → Help → Privacy Center; App: Settings → Privacy Center).
- Schalter „Verbessere das Modell für alle" checken – wer nicht will, dass Chats fürs Training genutzt werden, schaltet hier ab.
- Bei Memory nachsehen, was sich ChatGPT über dich merkt. Einzelne Erinnerungen lassen sich löschen, ohne den kompletten Chatverlauf zu killen.
- Temporäre Chats nutzen für alles, was nicht in Erinnerung bleiben soll – der Standard-Chat merkt sich Dinge, der temporäre nicht.
Nichts davon ist neu. Aber jetzt findest du es wenigstens, ohne danach suchen zu müssen.
