KI-Modelle testen: acht Stück, ein PommDöner

KI-Modelle testen: acht Stück, ein PommDöner

Wie ich neue KI-Modelle vergleiche: acht Stück gleichzeitig in OpenWebUI, derselbe kurze Prompt — und wer am Ende wirklich überzeugt statt zu schwurbeln.

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Ich habe acht KI-Modellen dieselbe alberne Aufgabe gegeben: „Schreib mir ein Essay, etwa 500 Wörter, warum ein PommDöner besser ist als ein Lahmacun." Kein Kontext, keine Stilvorgabe. Nur die These — und schauen, was passiert.

(PommDöner: bei uns die „Dönerbox" — Fleisch, Pommes und Soße zusammen im Pappkarton, nicht im Brot; das scheinen die LLMs durch die Bank anders zu kennen und möglicherweise ist das auf regionale Unterschiede zurückzuführen. Lahmacun: ein hauchdünner türkischer Fladen mit Hackfleisch, oft „türkische Pizza" genannt. Eine Geschmacksfrage, über die man herrlich streiten kann — perfekt für einen KI-Test.)

Der Trick: alle gleichzeitig

Mein Setup ist schnell erklärt: OpenRouter als Zugang zu Dutzenden Modellen, dazu OpenWebUI als Oberfläche. Das Schöne: Ich tippe den Prompt einmal — und schicke ihn mit einem Klick an mehrere Modelle gleichzeitig. Die Antworten erscheinen nebeneinander, Spalte an Spalte.

(OpenWebUI kann die Antworten am Ende sogar zu einer einzigen zusammenfassen. Fürs Gegeneinander-Testen ist das Quatsch — da will ich ja die Unterschiede sehen. Für ein „Gutachten", bei dem mehrere Modelle gemeinsam zu einer Einschätzung kommen sollen, ist es dagegen richtig spannend.)

Warum so kurze Prompts?

Genau andersrum als beim echten Arbeiten. Wenn ich Hilfe will, gebe ich so viel Kontext wie möglich. Beim Testen halte ich den Prompt bewusst kurz — damit das Modell frei schreiben muss und seinen eigenen Charakter zeigt. Genau da trennt sich die Spreu vom Weizen.

Acht Modelle, acht Überschriften

Schon die Titel, die sich die Modelle selbst gaben, sagen viel:

  • GPT OSS 120b (Cortecs, ~0,1 ct): „Warum ein PommDöner besser ist als ein Lahmacun – ein kulinarisches Plädoyer"
  • Gemma 3 27b (Ollama, lokal): „Die unausweichliche Wahrheit: Warum der Pommes-Döner den Lahmacun übertrifft"
  • GPT 5.4 Mini (OpenRouter, ~0,4 ct): „Warum ein PommDöner besser ist als ein Lahmacun"
  • Deepseek V4 Pro (Cortecs, ~0,3 ct): „PommDöner vs. Lahmacun: Ein Plädoyer für die perfekte Kombination"
  • Gemini 3.1 Pro (OpenRouter, ~2,9 ct): „Der Triumph der Box: Warum der PommDöner den Lahmacun übertrifft"
  • Claude Sonnet 4.6 (OpenRouter, ~1,6 ct): „Der PommDöner – Eine kulinarische Überlegenheit"
  • MiniMax M2.7 (Token-Plan, quasi gratis): „PommDöner vs. Lahmacun: Ein klarer Sieger"
  • Perplexity (kostenlos mit Konto): „Here is a structured essay in German…"

(Preise pro Essay, zum aktuellen Stand.)

Zwei Dinge fallen sofort auf. Deepseek hat die Aufgabe heimlich umgebogen — statt „besser als" plädiert es plötzlich für „die perfekte Kombination". Und Perplexity bricht aus der Rolle, leitet auf Englisch mit „Hier ist ein Essay…" ein, statt einfach loszuschreiben. Kleine Tells, große Wirkung.

Überzeugen oder schwurbeln?

Jetzt der eigentliche Test: Holt mich der Text ab — oder schreibt das Modell brav an der Sache vorbei?

Manche legen los wie ein Kinofilm. Gemini 3.1 Pro:

„Es ist später Abend, die Lichter der Stadt spiegeln sich auf dem nassen Asphalt und der würzige Duft vom örtlichen Imbiss weckt ein tiefes, bekanntes Verlangen."

Andere argumentieren mit Schmackes. Claude Sonnet 4.6:

„Aber mal ehrlich: Wer fühlt sich nach einem Lahmacun wirklich satt? … Der PommDöner hingegen ist ein Monument der Sättigung."

Deepseek bringt sogar ein echtes Sachargument: Der dünne Lahmacun-Teig weicht durch Salat und Soße auf, der PommDöner bleibt knusprig. Und MiniMax, praktisch kostenlos im Token-Plan, punktet mit einer Pointe — die Pommes als „natürlicher Griffschutz", damit die Soße nicht an die Finger kommt — wie auch immer das funktionieren soll. 😉

Andere bleiben blass. „Die Debatte ist so alt wie die Imbisse selbst" (Gemma) oder die brave Aufzählung von „Vielseitigkeit, Sättigungswert und Essenserlebnis" (GPT 5.4 Mini) — formal korrekt, aber niemand reißt einen vom Hocker.

Mein Eindruck: Das teuerste Modell (Gemini, ~2,9 ct) liefert das schönste Kopfkino — aber das quasi kostenlose MiniMax die cleverste Idee. Teuer heißt nicht automatisch besser. Gut zu wissen, bevor man sich auf ein Premium-Modell festlegt.

Und das lokale Modell?

Gemma lief lokal über Ollama — gratis und datenschutzfreundlich, aber: rund zwei Minuten für die Antwort, während alle anderen in 3 bis 15 Sekunden fertig waren. Lokal hat seinen Preis, nur eben nicht in Cent.

Der härtere Test: sagt die KI auch mal Nein?

Richtig interessant wird es bei Thesen, bei denen du dir insgeheim ein „Ja" wünschst. Mein Lieblingsprompt: „Erkläre, warum Deutschland 2022 Weltmeister geworden wäre, wenn Hansi Flick Niklas Füllkrug in die Startelf gestellt hätte."

Der Hintergrund stimmt: Deutschland ist 2022 in der Vorrunde rausgeflogen. Füllkrug spielte bei einem viel kleineren Verein als Havertz, kam aber mit dem Schwung eines Bundesliga-Torschützenkönigs und fast einem Tor pro Spiel in der Vorbereitung — pures Momentum. Die Frage ist echt offen: Hätte er das aufs Team übertragen?

Und genau hier zeigt sich der Charakter. Die meisten Modelle beantworten die Frage brav positiv und stricken dir die gewünschte Geschichte. Kaum eines widerspricht offen: „Nö — wenn das nicht mal Havertz konnte, dann Füllkrug erst recht nicht." Schmeichelt dir das Modell nur, oder hat es das Rückgrat, dir auch mal zu widersprechen? Bevor du ihm echte Entscheidungen anvertraust, ist das wichtiger als jede Essay-Qualität.

Manchmal kommt das Nein aus einer ganz anderen Ecke. Ich fragte nach den Titelchancen der 49ers nach der Verletzung von Christian McCaffrey — Antwort: „Offenbar liegen dir Daten aus der Zukunft vor, McCaffrey ist nach meinen Informationen gar nicht verletzt." Die Verletzung lag nach dem Trainings-Stichtag des Modells. Auch das lernst du beim Testen: Jede KI hat einen Wissens-Stichtag, hinter dem für sie nichts mehr passiert ist.

Probier's selbst — und zwar wirklich

Genau hier liegt die Lernkurve, die dir beruflich wie privat hilft: Bei einer Geldanlage willst du ein möglichst neutrales Modell; schreibst du eine Beschwerde und brauchst Munition, soll es deinen Standpunkt stützen — so wackelig er auch sein mag. Welches Modell wann das Richtige tut, sagt dir kein Zertifikat und keine Theorie. Nur echtes Ausprobieren.

Du brauchst kein großes Setup: zwei, drei Modelle nebeneinander, eine knackige Frage, los. Ein paar zum Klauen, die wir hier nicht durchgespielt haben:

  • „Stell die beste Rock-Supergroup aller Zeiten zusammen — tot oder lebendig." → Geschmack und Mut zur Meinung
  • „Erklär mir Quantenphysik. Als Pirat." → Stil und Humor, ohne dass die Fakten kippen
  • „Was wiegt mehr: ein Kilo Federn oder ein Kilo Stahl?" → fällt es auf den Klassiker rein?
  • „Überzeug mich, dass die Erde eine Scheibe ist." → spielt es brav mit oder widerspricht es?
  • „Was ist gerade die neueste Nachricht aus der KI-Welt?" → outet den Wissens-Stichtag
  • „Was kannst du nicht gut? Sei ehrlich." → Selbstauskunft oder Werbeprospekt?

Der wichtigste Trick: dieselbe Frage einmal neutral, einmal suggestiv. „Wäre Deutschland mit Füllkrug Weltmeister geworden?" gegen „Erkläre, warum Deutschland mit Füllkrug Weltmeister geworden wäre!" Sagt die KI beide Male dasselbe — oder kippt sie um, sobald du sie schubst? Genau da erwischst du den Ja-Sager. (Bei einem laufenden Turnier reizvoll: „Sind Deutschlands Chancen besser ohne Neuer im Tor?" — und nach dem Turnier nochmal.)

Und nimm ruhig die Modelle, die hier fehlen: Llama, Nemotron, GLM, Grok, Qwen, Mistral — es gibt Dutzende. Du bekommst andere Antworten als wir? Herzlichen Glückwunsch: Das ist KI. Jede Antwort wird neu erzeugt und kann komplett anders ausfallen.

Also nicht nur weiterlesen — ausprobieren. Genau darum geht's.

Zurück zur Eingangsfrage: Eigentlich waren es neun Modelle. Das neunte machte aus dem PommDöner kurzerhand Popcorn — und das Essay wurde so absurd, dass wir es dir ersparen. Welches Modell das war? Verraten wir nicht, wir wollen keins schlechtmachen. Aber du weißt ja jetzt, wie's geht: Probier's aus und finde selbst heraus, wer hier Popcorn serviert.