MiniMax: Die günstige KI-Alternative aus China

MiniMax: Die günstige KI-Alternative aus China

MiniMax M3 aus China liefert starke KI für einen Bruchteil der US-Preise. Was das Modell kann, was es kostet — und wann sich der Blick nach Osten lohnt.

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Wenn über KI gesprochen wird, fallen immer dieselben Namen: ChatGPT, Claude, Gemini. Amerikanische Platzhirsche, alle drei. Dabei läuft eine der spannendsten Entwicklungen gerade woanders — und ein Modell daraus arbeitet sogar in genau diesem Blog mit.

Die Rede ist von MiniMax, einem KI-Anbieter aus China. Das neueste Modell, MiniMax M3, ist erst seit Anfang Juni auf dem Markt — und übernimmt bei uns hier die inhaltliche Prüfung jedes neuen Artikels, bevor er online geht.

Ein Bruchteil des Preises

Der eigentliche Knaller ist der Preis.

Über die Programmierschnittstelle (API, also der direkte Maschinen-Zugang ohne App drumherum) kostet MiniMax M3 derzeit rund 0,30 US-Dollar pro Million Eingabe-Token und 1,20 Dollar pro Million Ausgabe-Token — ein Einführungsrabatt übrigens, der vermutlich nicht ewig hält. Zum Vergleich: Claudes Spitzenmodell Opus 4.8 liegt bei 5 beziehungsweise 25 Dollar. Das ist grob ein Zwanzigstel.

Eine Million Token klingt nach viel, ist aber schnell eingeordnet: Ein Token ist ungefähr eine Silbe. Eine Million Ausgabe-Token sind also grob eine halbe Million Wörter — ungefähr fünf Romane. MiniMax erzeugt diese Textmenge für gut einen Dollar. Beim US-Spitzenmodell zahlst du dafür über zwanzig.

Und die Qualität? Ganz ehrlich: ganz oben spielt MiniMax nicht mit. In meinen Tests ist Claude bei kniffligen Aufgaben spürbar besser. Aber eben nicht so viel besser, wie der Preisunterschied vermuten lässt. Fürs Verhältnis aus Kosten und Nutzen hat MiniMax absolut seine Daseinsberechtigung.

Der eine Haken — und wo es trotzdem glänzt

Einen Haken gibt es: Ab und zu — vermutlich wenn intern eine Übersetzung schiefgeht — streut MiniMax mitten im deutschen Text plötzlich chinesische Schriftzeichen ein. Charmant, aber nichts, was ich einem Kunden ausliefern kann. Alles, was beruflich rausgeht, läuft bei mir deshalb über Claude. Da schlägt Qualität die Quantität, und das Abo ist das Geld wert.

Wo MiniMax bei mir trotzdem fest im Einsatz ist: beim Code-Review. Alles, was ich programmiere, durchläuft erst automatische Tests. Sind die grün, darf ein KI-Modell drüberschauen und mir Rückmeldung geben — und genau diesen Job macht MiniMax M3. Hier stört eine etwas holprige Formulierung nicht: Ich weiß ja, wo ich suchen muss, und kann zur Not nachfragen.

Plakativ gesagt: Ich gebe die Anweisung, der Amerikaner erledigt die Arbeit, und der Chinese schaut ihm auf die Finger. Klingt absurd. Funktioniert erstaunlich gut.

Abo oder nicht?

Nutze ich dafür ein MiniMax-Abo? Nein. Ich komme gar nicht in die Nähe der Nutzung, ab der sich das lohnt — meine MiniMax-Kosten liegen im Schnitt bei zwei bis drei Euro im Monat.

Abgewickelt wird das über OpenRouter, einen Dienst, der dir hunderte KI-Modelle über einen einzigen Zugang bündelt. OpenRouter nimmt dafür rund fünf Prozent Aufschlag — die zahle ich gern. Dafür habe ich nur einen Account, eine Rechnung, einen Zugang, statt eines Wusts aus Konten und Abos bei jedem Anbieter einzeln.

Wer mehr braucht, für den kann sich ein echtes Abo lohnen. Der Einstieg kostet — wie bei der Konkurrenz — rund 20 Dollar im Monat. Der Unterschied: Das Freikontingent ist für denselben Preis verglichen mit Claude oder ChatGPT geradezu üppig. So ehrlich muss man sein. Wie bei Claudes 20-Dollar-Plan rechnet MiniMax in rollierenden Fenstern ab (ein Limit alle paar Stunden, dazu ein Wochenlimit) — du kommst nur eben deutlich weiter, bevor die Bremse greift.

Für wen lohnt sich das?

Spannend wird das vor allem für zwei Gruppen.

Erstens: alle, die Token regelrecht verheizen — etwa mit autonomen KI-Agenten wie OpenClaw, die im Hintergrund stundenlang vor sich hin arbeiten. (Wer solche Agenten laufen lässt, ist in einem Einsteiger-Blog vermutlich ohnehin unterfordert — aber sei's drum.)

Zweitens: alle, die bei ihrem 20-Dollar-Abo von ChatGPT oder Claude ständig gegen die Nutzungslimits laufen. Bevor du zum doppelt so teuren US-Tarif greifst, lohnt der kurze Gedanke, ob ein günstiges Abo aus China nicht denselben Zweck erfüllt. Auch für Hobby-Entwickler interessant, denen das neue Preismodell von GitHub Copilot sauer aufstößt — aber das wird wahrscheinlich ein eigener Artikel.

Mein Fazit

MiniMax gehört in jede ehrliche Übersicht über KI-Modelle — nicht als Geheimtipp-Geraune, sondern weil die Modelle echte Arbeit leisten, zu einem Preis, der die US-Konkurrenz alt aussehen lässt. Ich nutze sie selbst, jeden Tag, beim Code-Review.

Ein Abo lohnt sich für mich aktuell nicht: Meine Nutzung ist zu gering, und für alles Wichtige bleibt Claude gesetzt. Aber wer viel braucht und aufs Budget schaut, sollte den Blick nach Osten definitiv wagen.

Unbezahlte Empfehlung, eigene Meinung — wie immer hier.