Nachgehakt: Flowise tot, OpenRouter jetzt in der EU

Nachgehakt: Flowise tot, OpenRouter jetzt in der EU

Flowise ist abgeschaltet, MiniMax hat die Preise erhöht und OpenRouter bietet endlich einen EU-Zugang mit AVV. Drei Updates zu Artikeln von hier.

Zu viele Fachwörter?→ Im Glossar nachschlagen

Artikel über KI altern schneller als Milch im Sommer. Drei Texte von hier haben in den letzten Wochen Post bekommen — einer davon einen Nachruf.

Flowise: Der Baukasten ist zu

Im Juli haben wir hier mit Flowise einen Chatbot zusammengeklickt — ohne eine Zeile Code, mit Qdrant als Gedächtnis. Das Werkzeug dafür gibt es so nicht mehr.

Ende Juli hat das Flowise-Team die Entwicklung eingefroren, Mitte August das Projekt auf GitHub archiviert, und seit dem 31. August ist offiziell Schluss: kein Support, kein Discord, keine Updates. Das Unternehmen dahinter wurde schon im August 2025 von Workday gekauft — das Ende kommt also nicht komplett aus dem Nichts.

Interessanter ist die Begründung, und die ist ungewöhnlich ehrlich. Sinngemäß sagt das Team: Wer Kästchen verbindet, stößt bei komplexen Abläufen schnell an eine Wand. Und Entwickler bauen dieselben Abläufe inzwischen lieber mit KI-Programmierassistenten, die den Code einfach hinschreiben.

Anders gesagt: Der visuelle Baukasten wurde von genau der KI überholt, für die er gebaut wurde. Dieser Blog ist selbst so ein Fall — gebaut von so einem Assistenten. Man kann das gruselig finden oder konsequent. Vermutlich beides.

Was heißt das für dich? Wenn Flowise bei dir läuft, läuft es weiter. Der Code ist quelloffen (Apache-2.0-Lizenz) und bleibt auf GitHub, dein Docker-Container merkt von alledem nichts. Aber es gibt keine Sicherheitsupdates mehr. Ein Flowise, das offen im Internet hängt, ist ab jetzt eine schlechte Idee — im Heimnetz hinter dem Router ist es dagegen weiter völlig okay.

Wer neu anfängt, schaut sich besser woanders um. Langflow ist der nächste Verwandte und sieht fast genauso aus. n8n kann mehr als nur KI, kommt aus Berlin und ist damit bei DSGVO-Fragen der entspannteste Weg. Und Dify zielt direkt auf Chatbots mit eigenen Dokumenten — also genau das, was wir im Juli gebaut haben.

MiniMax: Teampläne weg, Preise rauf

MiniMax — das günstige Modell aus China, das in diesem Blog jeden Artikel gegenliest — hat aufgeräumt.

Die Teampläne sind Geschichte, und zwar gründlicher, als es zuerst aussieht: Seit dem 5. September kann sie niemand mehr neu kaufen — verlängern aber auch nicht. Ein bestehendes Abo läuft noch bis zum nächsten Verlängerungstermin, dann wird es gekappt. Restguthaben auf Team-Konten darfst du aufbrauchen, aber nicht mehr aufladen. Das ist kein Bestandsschutz, das ist eine Frist.

Private Konten sind davon nicht betroffen. Für alle bleiben die persönlichen Token-Pläne.

Und die sind teurer geworden, ziemlich genau um 10%. Der Einstieg kostet aktuell 22 statt 20 Dollar, die mittlere Stufe 55 statt 50, die große 132 statt 120. Zwei ältere Tarife sind ganz rausgeflogen.

Bevor jetzt jemand die Empörungsfackel anzündet: Für 22 Dollar bekommst du derzeit rund 1,7 Milliarden Token im Monat. Nach unserer Silben-Faustregel von damals sind das grob 850 Millionen Wörter — ungefähr achttausend Romane. Pro Monat. Für den Preis eines Mittagessens zu zweit.

Zum Vergleich: Für ungefähr dasselbe Geld schieben dir ChatGPT oder Claude ein Nachrichtenlimit vor die Nase, lange bevor du in diese Größenordnung kommst. MiniMax bleibt also auch nach der Erhöhung das, was es vorher war: unverschämt günstig.

Interessanter als die zwei Dollar ist die Richtung. In diesem Markt werden Modelle normalerweise billiger, nicht teurer. Wenn selbst der Preisbrecher nach oben korrigiert, sagt das mehr über die tatsächlichen Kosten von KI als jede Pressemitteilung.

OpenRouter: Eine Tür in Europa

Die beste Nachricht zum Schluss. OpenRouter — ein Zugang, hunderte Modelle — hat einen EU-Eingang bekommen.

Statt an die normale Adresse schickst du deine Anfragen an eu.openrouter.ai. Dein Schlüssel bleibt derselbe, die Modellliste auch. Der Unterschied: Die Anfrage wird nur innerhalb der EU entschlüsselt und nur an Anbieter weitergereicht, die selbst in der EU sitzen. Ist gerade keiner davon verfügbar, gibt es keinen stillen Umweg über die USA — die Anfrage scheitert einfach.

Dazu gibt es einen Schalter fürs ganze Team: Wer die EU-Region erzwingt, bekommt jede Anfrage, die woandershin wollte, mit einem harten Fehler zurück. Nicht „wird schon passen", sondern „geht nicht". Das ist der Unterschied zwischen einer Absichtserklärung und einer Leitplanke.

Und ja, den AVV gibt es auch. Für kommerzielle Nutzung gilt ein Auftragsverarbeitungsvertrag über die Nutzungsbedingungen, samt EU-Standardvertragsklauseln für Datenübertragungen aus dem Europäischen Wirtschaftsraum. Eine unterschriebene Kopie bekommst du auf Anfrage. Damit ist OpenRouter für DSGVO-Zwecke tatsächlich benutzbar — was man von einem US-Aggregator vor ein paar Monaten noch nicht sagen konnte.

Der Haken: Das Ganze gibt es erst ab dem Business-Tarif. Kein Mindestumsatz, kein Vertrag, du schaltest ihn in den Einstellungen selbst frei — aber OpenRouter nimmt dann 8% Aufschlag auf dein Guthaben statt 5,5%. Bei meinen zwei bis drei Euro im Monat sind das Centbeträge. Für eine kleine Firma sind es immer noch weniger Nerven als ein eigener EU-Anbieter pro Modell.

Ein Rest Vorsicht bleibt: Das ist OpenRouters eigenes Versprechen, kein geprüftes Zertifikat. Wer streng regulierte Daten verarbeitet, liest das Kleingedruckte trotzdem selbst — oder bleibt bei einem Anbieter wie Cortecs, der ohnehin komplett in der EU sitzt. Für alle anderen ist das ein großer Schritt in die richtige Richtung, und einer, den der Vergleich mit den Datensammlern erst richtig einordnet.

Was übrig bleibt

Drei Meldungen, drei Richtungen: Ein Werkzeug verschwindet, weil KI es überflüssig gemacht hat. Ein Anbieter wird teurer und ist trotzdem noch der Günstigste. Und ein amerikanischer Dienst baut ernsthaft eine europäische Tür ein.

Nichts davon ist ein Erdbeben. Zusammen erzählen sie aber ganz gut, wo wir gerade stehen: Der Markt sortiert sich — und er tut es schneller, als man seine eigenen Anleitungen aktualisieren kann.

Unbezahlte Empfehlungen, eigene Meinung — wie immer hier.